Béatrice et Bénédict

„Die hervorstechendsten Merkmale meiner Musik sind leidenschaftlicher Ausdruck, inneres Feuer, rhythmischer Schwung und Unvorhersehbarkeit“ so Hector Berlioz selbst hinsichtlich der Spezifik seiner musikalischen Schöpfungen. Berlioz, der genialische Egozentriker, der Unbequeme, der viel Geschmähte, war in seiner musikalischen Vision seiner Zeit weit voraus. Zu seinen „überzeitlichen“ künstlerischen Geistesverwandten zählte der unangepasste Komponist, der sich ansonsten im realen Leben allerorts von kleingeistigen und missgünstigen Spießern verfolgt fühlte, unter anderem den englischen Theaterdichter William Shakespeare (1564–1616), bei dem er bedauerte, ihn nicht persönlich kennengelernt zu haben, und der – wie er sich ausmalte – „vielleicht mich geliebt hätte“. Für seine zweite Beschäftigung mit dem Theaterdichter des Elisabethanischen Zeitalters nach der symphonischen Kantate “Romeo und Julia“
wählte sich Berlioz die Komödie „Much ado about nothing“ („Viel Lärm um nichts“). Im Zentrum der Handlung, wie Berlioz sie sich für sein Libretto selbst bearbeitete, stehen Béatrice und Bénédict, zwei durch Intelligenz und Spottlust hervorstechende Menschen, die sich gegenseitig zunächst spinnefeind sind. Durch die wohlmeinend listige Verschwörung Dritter werden sie schließlich bekehrt und zu der Erkenntnis gebracht, dass sie – als Mann und Frau zwei notorisch streitlustige Vertreter: innen ihres jeweiligen Geschlechts – eigentlich zusammengehören. Die Experimentierfreude von Hector Berlioz, was das Beschreiten neuer musikalischer Wege betrifft, fand insbesondere im Falle seiner Musiktheaterwerke zu seinen Lebzeiten nie den gebührenden Widerhall. Im August 1862 anlässlich der Eröff nung des Neuen Theaters in Baden-Baden uraufgeführt, war auch „Béatrice und Bénédict“ nur eine kühle Aufnahme vergönnt. Dabei zeichnet sich diese Partitur, ganz abgesehen von der inspirierten Ouvertüre, durch eine Vielzahl kostbarer musikalischer Parts aus und ist dabei – analog dem Shakespeareschen Text – auf eine so subtile Art geistreich-witzig, dass sie von vielen Kenner:innen heute als eine Erweiterung des Genres der opéra-comique genommen wird.


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